Presse

(01.02.2013 Reutlinger Generalanzeiger)

INTERVIEW – Simon Kirschner aus Dörnach arbeitet seit sechs Monaten mit Grundschulkindern in Peru

Gelebte Solidarität

Von Ewald Walker

PLIEZHAUSEN/ REUTLINGEN. Nach dem Abitur hinaus in die weite Welt: Der ehemalige Gymnasiast am Rommelsbacher Bildungszentrum Nord, Simon Kirschner aus Pliezhausen-Dörnach, reiste im vergangenen Sommer nach Cajamarca in Peru, um bei »El Puebleo Unido« (Das vereinte Volk) als Englisch-Lehrer Sozialarbeit mit Grundschulkindern zu leisten. Der Sozialausschuss des BZN-Gymnasiums in Rommelsbach hat jetzt erneut den Erlös eines Stands auf dem Reutlinger Weihnachtsmarkt an Pfarrerin Gerlinde Keppler, einer Mitbegründerin von »El Pueblo Unido«, überreicht.

Unterstützung für ein Sozialprojekt des Vereins »El Pueblo Unido« in Peru: Schülerinnen des Sozialausschusses des Gymnasiums am Bildungszentrum Nord in Rommelsbach überreichten vor Kurzem ihren Weihnachtsmarkterlös in Form eines Schecks an Pfarrerin Gerlinde Keppler (vorne, Mitte). FOTO: WALKER

Unterstützung für ein Sozialprojekt des Vereins »El Pueblo Unido« in Peru: Schülerinnen des Sozialausschusses des Gymnasiums am Bildungszentrum Nord in Rommelsbach überreichten vor Kurzem ihren Weihnachtsmarkterlös in Form eines Schecks an Pfarrerin Gerlinde Keppler (vorne, Mitte). FOTO: Ewald Walker

»Mit der BZN-Spende können wir zwei Tage des monatlichen Etats der Schule bestreiten oder den Monatslohn eines Lehrers an der Schule abdecken«, freute sich die Pfarrerin. »Ich fühle mich sehr wohl an der Schule in Cajamarca«, äußerte sich der 19-Jährige im Gespräch mit GEA-Mitarbeiter Ewald Walker. Es sei sehr bewegend zu sehen, aus welch ärmlichen Verhältnissen heraus die Kinder ihre Schulbildung antreten würden.

GEA: Wie ist Ihre Situation als »Lehrer bei den Ärmsten« in Peru?

Simon Kirschner: Ich fühle mich sehr wohl in meinem Umfeld an der Schule und in der Stadt Cajamarca. Das Lehrerkollegium hat mich herzlich aufgenommen, die Kinder behandeln mich tatsächlich wie einen Lehrer, während der Pausen sehen sie mich als Spielpartner. Es ist immer wieder bewegend zu sehen, in welchen Verhältnissen einige Kinder leben. In der Schule bekommt man nicht den Eindruck, dass die Kinder aus armen Verhältnissen kommen, da sie immer ihre Uniform anhaben. Beim Besuch zu Hause habe ich intensive Eindrücke erhalten von Kindern, die mit Geschwistern und ihrer alleinerziehenden Mutter in einem Verschlag aus Plastikplanen leben.

Haben Sie auch außerhalb der Schule in der 500 000 Einwohner-Stadt Kontakte aufbauen können?

Kirschner: Ich singe im städtischen Chor, mit dem wir an Weihnachten ein Konzert aufgeführt haben. Zudem habe ich in einer Bar ein kleines Konzert mit meiner Gitarre gegeben. (Anm: Simon Kirschner war im preisgekrönten BZN-Musical »Jekyll and Hyde« umjubelter Hauptdarsteller).

Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit am meisten?

Kirschner: Ich bin von der Schule unheimlich überzeugt. Hier erlebe ich hautnah, wie den Kindern die Chance gegeben wird, ihr Schicksal durch freie Bildung zu verändern. Ich habe kürzlich eine ehemalige Schülerin von »Aulas Abiertas« (Anm.: Offenes Klassenzimmer) getroffen, die inzwischen Englischlehrerin geworden ist. Ohne diese Schule wäre sie das nicht geworden. Deswegen ist El Pueblo Unido ein tolles Beispiel für gelebte Solidarität. Mit Geldern aus Deutschland und einer sehr engagierten Schulleiterin vor Ort wird freie Bildung ermöglicht und Kinderschicksale werden so verändert.

Haben Sie besondere Erlebnisse zu berichten?

Kirschner: Wenn mich die Kinder täglich in der großen Pause zum Spielen abholen, oder ich im Schulchor mitsinge, sind das schon besondere Momente. Ich hatte auf Spanisch ein kleines Theaterstück zum Thema Umweltschutz geschrieben und mit einer Klasse aufgeführt. Das war ein sehr schönes Ereignis.

Gibt es einen Schwerpunkt Ihrer Arbeit?

Kirschner: Das ist derzeit das Projekt »Erzählungen aus den Anden«. Dafür haben wir Geschichten aus den Anden gesammelt und niedergeschrieben. Die Kinder haben Illustrationen dazu erstellt. Die ländlichen Gemeinden hier in Peru haben eine ganz große Vielfalt an Traditionen und Weisheiten, die sich in den Erzählungen der Familien widerspiegeln.

Was wurde mit dem Geld aus dem BZN gemacht?

Kirschner: Damit wurde schlicht und einfach die Schule unterhalten. Dazu zählen Ausgaben für Strom, Wasser, Wartungsarbeiten, die Gehälter der Lehrer und der Psychologin. Die Krankenstation und die Werkstätten werden von einem Verein aus Spanien übernommen, die Lebensmittel kommen aus einem staatlichen Ernährungsprogramm. Ein Lehrer verdient in »Aulas abiertas« monatlich 800 Soles, das sind umgerechnet 260 Euro. Deshalb ist die Spende des Sozialausschusses des Bildungszentrums Nord so extrem wichtig für das Sozialprojekt.

Was steht für die nächsten sieben Monate an?

Kirschner: Das ist zum einen die Vorstellung des Büchleins »Erzählungen aus den Anden«. Der Englisch- und Nachhilfeunterricht von Klasse eins bis sechs bleibt meine Hauptaufgabe. Mir schwebt zudem vor, mit den Fünft- und Sechstklässlern spannende Physik-Versuche zu machen.

Spendenkonto

Wer die Projekte von El Pueblo Unido in Lateinamerika unterstützen möchte, der kann dies über folgendes Spendenkonto tun: El Pueblo Unido – Solidarität mit Lateinamerika e.V.; Kontonummer: 125 640 01; Volksbank Tübingen; BLZ: 641 901 10.

 

(17.12.2012 Reutlinger Nachrichten)

Hier der Ausschnitt aus einem Bericht ueber den Reutlinger Weihnachtsmarkt. Wie auch schon letztes Jahr spendete der Sozialausschuss des BZN wieder seine Einnahmen vom Waffelverkauf an El Pueblo Unido e.V. Vielen Dank!

Für das Wohl der Kinder

„Auf Selbstgemachtes und heiße Waffeln setzt auch der Sozialausschuss des BZN-Gymnasiums. Lena Schlachters Oma hat dafür zahlreiche Gläser Quittengelee produziert, für weiteren Erlös sorgt selbstgemachtes Weihnachtsgebäck. Und dieses läuft gut, denn viele haben keine Zeit oder kein rechtes Talent für die Gutsle, wissen die Jugendlichen. Der Duft frischer Waffeln hängt in der Luft, lässt Passanten näher kommen. Das Geld ist bei den Schülern aber auch sehr gut angelegt. An ihrem Stand informieren sie über Poster ausführlich über das Projekt „El Pueblo Unido“. Dieses ermöglicht Kindern aus der ärmsten Bevölkerungsschicht in Cajamarca in Peru eine Schulbildung. Seinen Freiwilligendienst absolviert dort Simon Kirschner, ehemaliger BZN-Abiturient. Über ihn halten die Schüler den persönlichen Kontakt, betont die 14-jährige. So wissen sie, dass das Geld ankommt und wofür es verwendet wird. „Für uns ist es so selbstverständlich in die Schule zu gehen“, sagte Lena. Für die Kinder dort aber ist es ein Geschenk: „Es ist uns wichtig, dass auch Kinder in den ärmsten Vierteln Bildung ermöglicht wird“.“

Den kompletten Artikel findet man hier.

(April 2012 – GEA Reutlingen)

Sozialprojekt – Der Dörnacher Abiturient Simon Kirschner geht nach der Schule für ein Jahr ins peruanische Hochland

Lehrer bei den Ärmsten der Armen

VON EWALD WALKER

PLIEZHAUSEN. Simon Kirschner bewegt sich weltwärts. Zuvor muss er aber noch die Reifeprüfung ablegen.

Der Sozialausschuss des BZN-Gymnasiums in Rommelsbach unterstützt Simon Kirschner aus Dörnach (rechts im blauen Kapuzenpulli), der für den Verein »El Pueblo unido« für ein Jahr ins peruanische Hochland geht, um armen und benachteiligten Menschen Zugang zu Bildung zu verschaffen. Vorne links mit grünem Schal Pfarrerin Gerlinde Kappler, Mitbegründerin von »El Pueblo unido«.  FOTO: WALKER

Der Sozialausschuss des BZN-Gymnasiums in Rommelsbach unterstützt Simon Kirschner aus Dörnach (rechts im blauen Kapuzenpulli), der für den Verein »El Pueblo unido« für ein Jahr ins peruanische Hochland geht, um armen und benachteiligten Menschen Zugang zu Bildung zu verschaffen. Vorne links mit grünem Schal Pfarrerin Gerlinde Kappler, Mitbegründerin von »El Pueblo unido«. FOTO: WALKER

Der 19-jährige Abiturient am Bildungszentrum Nord (BZN) in Rommelsbach ist unter ein paar Dutzend Bewerbern vom Verein »El Pueblo unido« (das vereinte Volk) für ein einjähriges Schul-Praktikum in Peru ausgewählt worden. »Wir unterhalten in Cajamarcas eine Schule für die ärmsten der armen Kinder, und da wird Simon als Lehrkraft zum Einsatz kommen«, sagt Gerlinde Kappler, in der Erwachsenen- und Familienbildung tätige Pfarrerin, die »El Pueblo unido« mitgegründet hat.

Weit verbreitete Armut

Peru ist ein klassisches Dritte-Welt-Land mit viel Armut. Wie in fast allen armen Ländern fehlt es in diesem 20-Millionen-Land Peru an Bildungskonzepten, die die Interessen der Armen wahrnehmen. Bildung, Schulbildung und Ausbildung garantieren zwar keinen Ausstieg aus dem Teufelskreis der Armut, eine Grundbedingung, um auf ein menschenwürdigeres Dasein hoffen zu können, sind sie dennoch.

Weil der Zugang zu Bildung für die Armen schwer ist, entstand 1994 die Idee zum Bau einer eigenen Schule in Cajamarcas, einer 500 000 Einwohner zählenden Stadt im peruanischen Hochland. Sie trägt den Namen »Aulas abiertas«, was soviel heißt wie »offene Klassenzimmer« und hat als sinnstiftendes Motto: »Gib einem Hungernden einen Fisch, und er wird einmal satt, lehre ihn Fischen, und er wird nie wieder hungern«.

Simon Kirschner soll in dem »weltwärts«-Projekt, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mitgetragen wird, als Lehrkraft in zwei Vorschulklassen und sechs Klassen der Grundschule zum Einsatz kommen. »Ich möchte sehen, wie es draußen in der Welt zugeht, während wir hier im Schlaraffenland leben«, beschreibt der junge Mann seine Motivation. Statt Zivildienst also ein soziales Jahr nach eigener Wahl.

Erst kommen noch Abiprüfungen

»Ich werde Englisch unterrichten, Einführungskurse am Computer geben und Workshops abhalten«, hat Simon Kirschner schon während des Auswahlverfahrens erfahren. Auf dem Reutlinger Weihnachtsmarkt hat Kirschner mit dem Sozialausschuss des BZN-Gymnasiums mit einem Stand schon mal Geld gesammelt. Ein Teil ging an die Organisation »Ärzte ohne Grenzen«, der andere wurde jetzt bei einer Spendenübergabe in der Schule an Gerlinde Kappler und den Verein »El Pueblo unido« übergeben. Die Stimmung im 20-köpfigen Sozialausschuss war bestens. »Dank Simon wissen wir genau, wo unser Geld hinkommt«, sagt eine Schülerin. »Die peruanischen Kinder freuen sich auf Simon«, blickt Gerlinde Kappler bereits nach vorne.

Simon Kirschner verspürt schon ein wenig Vorstartfieber. Vor seinem Aufbruch aus dem heimischen Dörnach hinaus in die Welt nach Südamerika zu einem einjährigen Aufenthalt, muss sich der Blondschopf allerdings für die Abitur-Klausuren noch auf den Hosenboden setzen. (GEA)

http://www.el-pueblo-unido.de

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